Ist die Botschaft von Jesus von Gott oder von Menschen?
Mein Bibelleseplan führt mich gerade durch die Apostelgeschichte. Dabei ist mir Folgendes aufgefallen. In Apostelgeschichte 5,34-39 lesen wir von dem Rat des Gamaliel.
Die jüdischen Führer in Jerusalem bekamen die Bewegung der christlichen Gemeinde und die Ausbreitung der neuen Lehre, dass der gekreuzigte und von den Toten auferstandene Jesus Christus der Messias ist, nicht mehr in den Griff. Mehrfach hatten sie die Apostel bedroht, nicht weiter zu predigen – was diese mit den Worten zurückwiesen: „Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen“ (Apg 5,30).
Unschlüssig darüber, was nun tun sollen, beratschlagen sie. Dann tritt Gamaliel auf, ein angesehener jüdischer Pharisäer und sagt:
Männer von Israel, seht euch bei diesen Menschen vor, was ihr tun wollt! Denn vor diesen Tagen stand Theudas auf und sagte, dass er selbst etwas sei, dem eine Anzahl von etwa vierhundert Männern anhing; der ist getötet worden und alle, die ihm Gehör gaben, sind zerstreut und zunichte geworden. Nach diesen stand Judas der Galiläer auf, in den Tagen der Einschreibung, und machte eine Menge Volk abtrünnig und brachte sie hinter sich; auch er kam um, und alle, die ihm Gehör gaben, wurden zerstreut. Und jetzt sage ich euch: Lasst ab von diesen Menschen und lasst sie laufen! Denn wenn dieser Rat oder dieses Werk von Menschen ist, so wird es zugrunde gehen; wenn es aber aus Gott ist, so werdet ihr sie nicht zugrunde richten können. (Apg 5,35-39)
Jerusalem hatte also schon einige selbsternannte Messiase erlebt, die anfangs imposant wirkten. Sobald sie jedoch umkamen, hatte es sich auch mit ihrer Bewegung erledigt. War die Jesus-Bewegung nur ein weiteres Beispiel oder steckte wirklich Gottes Wirken dahinter?
Nur zwei Kapitel weiter lesen wir von der nächsten großen Konfrontation zwischen den führenden Juden und den Christen – dieses Mal endet es tödlich!
Stephanus verteidigt das Evangelium vor dem jüdischen Rat und wirft ihnen vor, dass sie nicht besser sind als ihre Glaubensväter, die bereits im Alten Testament dem offensichtlichen Wirken Gottes bewusst widerstanden haben, da sie Jesus Christus als Messias ablehnen. Dieses Mal eskaliert die Situation und Stephanus wird gesteinigt.
Stephanus stirbt für seine Botschaft, wie auch schon Theudas und Judas, der Galiläer, vor ihm. Das hat zur Folge:
An jenem Tag entstand aber eine große Verfolgung gegen die Gemeinde in Jerusalem; und alle wurden in die Landschaften von Judäa und Samaria zerstreut, ausgenommen die Apostel. (Apg 8,1).
Der Mord an Stephanus hatte ebenfalls zur Folge, dass die Anhänger zerstreut wurden. Jedoch ging die Bewegung damit nicht zugrunde – eher im Gegenteil.
Die Zerstreuten nun gingen umher und verkündigten das Wort. … Die nun zerstreut waren durch die Bedrängnis, die wegen Stephanus entstanden war, zogen hindurch bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und redeten zu niemand das Wort als allein zu den Juden. Es waren aber auch unter ihnen einige Männer von Zypern und Kyrene, die, als sie nach Antiochia kamen, auch zu den Griechen redeten, indem sie das Evangelium von dem Herrn Jesus verkündigten. Und des Herrn Hand war mit ihnen, und eine große Zahl, die gläubig wurde, bekehrte sich zum Herrn. (Apg 8,4 und 11,19-21)
Die christliche Gemeinde breitete sich trotz des Todes einer ihrer Sprecher immer weiter aus, gerade weil die Anhänger von Jesus zerstreut wurden.
Gamaliel hatte recht gehabt. Wäre das Christentum eine Erfindung der Jünger Jesu gewesen, die sich die Auferstehung Jesu nur ausgedacht oder gewünscht hätten, dann wäre ihre Botschaft mit ihrem eigenen Tod erledigt gewesen. Doch so war es nicht, wie wir aus der Geschichte wissen.