Was ich lerne

Rückblick auf 2020

Wieder geht ein Jahr zu Ende. 

Einerseits war es ein sehr turbulentes Jahr, weil die Welt dieses Jahr verrückter spielte als sonst. Oder vermutlich kam es mir nur so vor, weil ich mehr Nachrichten gelesen habe als früher. 

Andererseits war es ein recht ruhiges Jahr, weil man bedingt durch den Lockdown weitaus weniger Freizeitmöglichkeiten zur Auswahl hatte, als man es gewohnt war. 

Dennoch blicke ich ganz zufrieden zurück. Die Jungs sind alle älter geworden und ich merke, dass es den Alltag doch enorm erleichtert, je selbstständiger die Kinder werden. Nächstes Jahr um diese Zeit wird es voraussichtlich noch entspannter sein, wenn sie alle gelernt haben eine Nacht am Stück durchzuschlafen. 

Wie jedes Jahr habe ich einiges gelernt, interessante Bücher gelesen, neue Autoren entdeckt und mein Romanprojekt vorangetrieben. Anfang des Jahres habe ich mir vorgenommen mir weder Bücher noch neue Klamotten zu kaufen. Beides war leichter als gedacht und hat mir in einigen Bereichen erneut verdeutlicht, dass weniger mehr ist. 

Mit meinem Romanprojekt bin ich leider immer noch nicht fertig geworden. Anfang des Jahres war ich noch zuversichtlich, dass ich dieses Jahr endlich den Roman veröffentlichen könnte – leider wurde wieder nichts daraus. Zu vieles musste noch geändert und neu geschrieben werden. Lektorat und Coverdesign dauerten länger als ursprünglich erwartet. Dennoch ging es voran. Eine Handvoll Interessierter abonnierte meinen Newsletter und ich habe übers Jahr verteilt einiges an ermutigenden Rückmeldungen erhalten. 

Im Herbst bewarb ich mich spontan erneut mit meinem Buch bei einer renommierten Agentur. Es kam zwar wieder nur eine Absage, aber immerhin erhielt ich persönliches Feedback, anstatt lediglich auf meine Einsendung eine automatische Email zu erhalten, um anschließend nie wieder etwas zu hören. Wieder einmal wurde ich in meinem Vorhaben bestärkt, dass ich weiterhin den Weg als Selfpublisher bestreiten werde. 

Irgendwann im Laufe des Jahres habe ich mich von dem langgehegten Wunsch, ein Vollzeit-Autor zu sein, verabschiedet. Das hat mehrere Gründe, die ich an anderer Stelle ausführlicher erläutern werde. Vielleicht wird dieser Traum eines Tages Realität, aber es ist nicht länger mein Ziel, das ich unbedingt erreichen muss, um glücklich zu werden. Ich werde natürlich weiterhin schreiben und in Zukunft vermutlich mehr als bisher, aber ich mache mir diesbezüglich keinen Druck mehr. 

Des Weiteren habe ich meine Ansprüche was die Reichweite meines Romanprojekts angeht nach einigen Interviews mit Blogger Seth Godin heruntergeschraubt. Nach Godin sollte es nicht das Ziel sein, die Masse zu erreichen. Stattdessen sollte man sich auf die kleinstmögliche Gruppe von Menschen konzentrieren, die ausreicht, um das Projekt am Leben und Laufen zu lassen. Nicht Millionen Leser, sondern Tausend Leser sind erstrebenswert und ausreichend. Tausend interessierte Leser sind (momentan) noch immer eine recht anspruchsvolle Zahl, aber es ist kein Ding der Unmöglichkeit. 

Während ich gerade diese Zeilen schreibe wird mir insbesondere eines deutlich: 2020 konnte ich viele geplante Ziele nicht in die Tat umsetzen. Doch vielleicht noch mehr als in den Jahren davor, habe ich einige Dinge für mich klarer sehen können, die mir dabei helfen, realistischer und optimistischer in 2021 zu starten. Es war weniger ein Jahr der eifrigen Geschäftigkeit, sondern des stillen Nachdenkens, des Justierens und des Reifens. 

Was waren meine persönlichen Höhepunkte 2020?

  • Während das ganze Land von Corona lahmgelegt wurde, ging es bei uns auf der Arbeit beim Herold-Verlag nicht schlechter als in den Jahren davor – finanziell ging es uns sogar besser. Angesichts dessen, dass viele meiner Mitmenschen dieses Jahr ihre Arbeit und Existenzgrundlage verloren haben, bin ich dankbar, noch meine Arbeit zu haben und mit vielen interessanten Buchprojekten ins neue Jahr starten zu können. 
  • Den Namen Cal Newport hatte ich bereits vor diesem Jahr gehört. Doch erst dieses Jahr habe ich mich näher mit ihm beschäftigt und angefangen, seine Bücher zu lesen. Es war für mich die literarische Entdeckung des Jahres. Seine Bücher und sein Podcast haben meine Sicht von Technologie und Produktivität radikal verändert und ich freue mich, nächstes Jahr seine Ideen und Konzepte noch stärker in meinen Alltag einbauen zu können, als ich es bisher getan habe. Ich werde mich hier auf dem Blog noch ausführlicher mit ihm beschäftigen. 
  • Auch wenn ich mit meinem Buch Die Hüter der Diráz noch nicht fertig bin und bisher nur wenige Menschen meinen Newsletter abonniert haben, so ging es dennoch voran und ich weiß darum, dass es wenigstens eine kleine Gruppe von Menschen gibt, die sich auf das Buch freuen. 
  • Dem Internet sei Dank, habe ich einige kreative Leute für mein Projekt engagieren können, die mir Illustrationen, Karten und die fiktionale Sprache Dirázanti für meine Saurier-Welt erstellt haben. Diese Arbeiten neben dem eigentlichen Schreiben machen einfach unheimlich Spaß. 
  • Anfang des Jahres habe ich mir vorgenommen, mir weder neue Bücher noch neue Klamotten zu kaufen. Bis auf eine kleine Ausnahme bei den Klamotten habe ich es durchgezogen und dabei einiges gelernt.
  • Dieses Jahr wurde ich mit einigen plötzlichen Todesfällen (ohne dass Corona daran beteiligt war) aus dem erweiterten Freundes- und Verwandtenkreis konfrontiert. Ich durfte wieder ein ganzes Jahr mit meiner Frau und meinen Kindern, meinen Eltern, Geschwistern und guten Freunden verbringen – und das ist alles andere als selbstverständlich und Grund genug, um dankbar zu sein. 

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