Über die Dirázanti

Äußerlich unterscheiden sich die Dirázanti nicht wesentlich von den anderen Völkern Jangalas. Die meisten sind von brauner Hautfarbe, haben dunkle Haare und tragen aufgrund der tropischen Hitze luftige Kleidung. Sofern sie auf ihrer Insel Dirázanta leben, begnügen sich die Männer mit einer schlichten knielangen Hose. Frauen tragen zumeist leichte Kleider oder Röcke mit einem Oberteil. Führt ihre Aufgabe sie allerdings in die Wildnis Jangalas, verwenden sie zusätzlich festes Schuhwerk und Ponchos aus Diráz-Leder, die sie vor den Widrigkeiten des Dschungels schützen.

Die Dirázanti bestehen aus vier Stämmen, den Dirázar, Dirázan, Diráphim und Dirálathan. Stammeszugehörigkeit und Rang innerhalb des Stammes erkennt man leicht an der Anzahl und Wertigkeit des Schmuckes. Mitglieder der Dirálathan, die an den Küsten der Insel leben, bevorzugen Muscheln und dergleichen. Angehörige der Diráphim, jener Dirázanti die für die Flugsaurier zuständig sind und in den Bergen wohnen, schmücken sich mit Edelsteinen. Schmuckstücke aus Dinosaurierhorn, Zähnen oder Klauen sind selten und teuer. Denn Eljah, der Gott der Dirázanti, hat ihnen verboten, die Diráz zu jagen. Nur wenn ein Dinosaurier eines natürlichen Todes stirbt oder aufgrund besonderer Umstände getötet werden muss, dürfen die Überreste verwendet werden. In diesem Fall gebührt den Häuptlingen und ihren Familien der Vorzug. Deshalb tragen meistens nur die Oberhäupter und deren Frauen echten Dinosaurierschmuck. Und das oftmals auch nur zu feierlichen Anlässen.

Der Ursprung der Dirázanti

Doch abgesehen von den Äußerlichkeiten unterscheiden sich die Dirázanti von den anderen Völkern Jangalas in nahezu jeder Hinsicht. Denn nur sie verehren ausschließlich Eljah als Schöpfergott. Die Lagurún, Egit, Unuk-Akúl und Kongutan anerkennen ihn zumeist als den höchsten Gott. Doch faktisch huldigen sie alle ihren eigenen Gottheiten. Die Dirázanti führen ihren Ursprung auf Ankidu und dessen vier Söhne zurück. Ankidu und seine Nachkommen waren es, die von Eljah mit der Aufgabe betraut wurden, die Hüter der Diráz zu sein. Nach den Überlieferungen der Dirázanti gab es einst eine Zeit, in der Menschen und Dinosaurier harmonisch nebeneinander her lebten. Doch in den dunklen Tagen der Vorzeit sagten die Menschen sich offen von Eljah los. Als Strafe wandelte dieser die Zustände auf der Erde und mit dem friedlichen Zusammenleben war es vorbei. Die Menschen jagten und fürchteten die Diráz und diese setzen sich mit Zähnen und Klauen zur Wehr. Doch die Menschen waren den Dinosauriern überlegen. In vielen Ländern rotteten sie diese daher in ihrer Gier vollständig aus. Heute ist nur noch der dünnbesiedelte Kontinent Jangala die Heimat zahlreicher Dinosaurier. Als die Eljorin, Halbgötter und Treue Eljahs, sahen, dass die Menschen auch Jangala zu verschlingen drohten, versammelte sich der Götterrat. Daraufhin betraute Eljah die Nachkommen Ankidus mit der Aufgabe, die Dinosaurier zu beherrschen, um ein friedliches Miteinander zwischen Mensch und Diráz zu ermöglichen.

Die besonderen Gaben Eljahs

Eigens für ihre Aufgabe segnete Eljah die Dirázanti mit der dreifachen Lebensspanne gewöhnlicher Menschen. Zusätzlich stattete er jeden der vier Stämme mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit aus, die ihnen bei der Erforschung und Leitung der Dinosaurier zugutekommt.

Dem Stamm der Dirázar, dem Macht über alle fleischfressenden Saurier gegeben ist, wurde die Fähigkeit geschenkt, besonders schnell zu laufen. Legendär ist die Geschichte von Taran, dem Vater Tirans, wie er einen flüchtigen Jangúraptor in vollem Lauf erschlug und zur Strecke brachte.

Dem Stamm der Dirázan, die sich um alle pflanzenfressenden Dinosaurier kümmern, wurde die Gabe eines außergewöhnlichen Gehörs geschenkt.

Dem Stamm der Diráphim, der alle fliegenden Dinosaurier beherrscht, wurde die Gabe eines scharfen Auges geschenkt.

Den Dirázanti der Dirálathan, die sich um die Meeressaurier kümmern, wurde die Fähigkeit gegeben, besonders lang die Luft unter Wasser anhalten zu können und sich unter Wasser schnell und geschickt zu bewegen.

Da nicht alle Dirázanti sich zu Hütern der Diráz ausbilden lassen wollen, haben einige ihre Fähigkeiten anderweitig genutzt. Herrscher anderer Völker setzten in der Vergangenheit gerne Dirázanti als Spione und Söldner ein, obwohl der Großteil der Dirázanti es ablehnt, ihre Fähigkeiten anders einzusetzen als für ihre ursprüngliche Aufgabe.

Wie bereits gesagt gliedern sich die Dirázanti in vier Stämme auf. Anders als die anderen Völker Jangalas haben die Dirázanti keinen König. Vielmehr werden die Stämme von den Häuptlingen geleitet, die in direkter Abstammung von Ankidus Söhnen stehen. Dabei kommt den erstgeborenen Söhnen eine Sonderstellung zu, da nur sie die Gabe eines Häuptlings besitzen.

Allen Dirázanti ist gemein, dass sie vor Angriffen der Dinosaurier sicher sind, da Eljah allen Diráz untersagt hat, einen Dirázanti anzugreifen. Doch nur die Häuptlinge sind mit der besonderen Gabe ausgestattet, den Dinosauriern direkt befehlen und sie leiten zu können. Stolpert ein Dirázanti in der Wildnis versehentlich über einen fleischfressenden Dinosaurier, hat er nichts zu befürchten. In diesem Fall zieht er sich zurück und geht seiner Wege.

Doch ein Häuptling besitzt die Macht, selbst den größten und wildesten Diráz zu befehlen – und sie gehorchen. Und diese Gabe besitzen nur die Häuptlinge und ihre erstgeborenen Söhne, wobei im Falle von Zwillingen beide Söhne mit der Häuptlingsgabe gesegnet sind. Sobald diese das sechzehnte Lebensjahr erreicht haben, werden sie von ihren Vätern zu Häuptlingen ausgebildet. Nach Abschluss ihrer Ausbildung legen sie den Eid der Dirázanti ab und werden vom Volk offiziell als Häuptlinge anerkannt und in den Häuptlingsrat aufgenommen. Aufgrund der hohen Lebenserwartung hat jeder Stamm mehrere amtierende Häuptlinge zugleich, wobei dem ältesten unter ihnen der höchste Rang gebührt. Und je mächtiger die Herrscher und Könige sind, in dessen Dienst sie standen oder stehen, desto größer auch das Ansehen der Häuptlinge innerhalb der Gemeinschaft.

Nach dem großen Unabhängigkeitskrieg in Jangala, bei dem die freien Völker sich der Fremdherrschaft der Lamakun entledigten, teilte Eljah jedem Volk ein bestimmtes Gebiet in Jangala zu, entsprechend der Größe des jeweiligen Volkes. Da diese Gebiete oftmals noch Dinosaurier-Territorium waren, holten die Könige der Völker die Dirázanti zu Hilfe, um neue Lebensräume zu erschließen, indem diese die Dinosaurier vertrieben oder umsiedelten. Darüber hinaus lehrten die Dirázanti die Menschen viele Dinge über die Lebensgewohnheiten der Dinosaurier und erklärten ihnen, wie ein friedliches Miteinander ermöglicht werden kann. In den Jahrzehnten nach dem Unabhängigkeitskrieg stiegen die Dirázanti bei den freien Völkern zu hohem Ansehen auf und wurden reich für ihre Dienste belohnt. Doch mit den Jahren wurde ihre Fähigkeit immer weniger gebraucht, da die Menschen in Jangala nun ausreichend Lebensraum hatten und sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmerten. Somit schwand auch das Ansehen der Dirázanti.

Die Heimat der Dirázanti

Trotz ihrer mutigen Beteiligung am Unabhängigkeitskrieg erhielten die Dirázanti kein eigenes Land in Jangala. Dieser Umstand erzürnte einst viele Dirázanti und sie sagten sich offiziell von ihrem Erbe los. Doch den übrigen Dirázanti wurde als Heimat eine Insel an der Nordküste von Jangala geschenkt, wie in der Erzählung »Die Großzügigkeit Eljahs« berichtet wird. Hier leben sie gemeinsam mit vielen Dinosaurier-Arten und jeder Stamm erhielt ausreichend Platz zum Leben und zum Studium der Diráz. Wenn ihre Aufgabe es verlangt, reisen sie auf das Festland, um den Menschen mit den Dinosauriern zu helfen. Doch im Laufe der Zeit wurde ihre Fähigkeit immer weniger gefragt und da ihre Insel weit im Norden liegt, gerieten sie bei den Völkern zunehmend in Vergessenheit. Lediglich einige Alten und Weisen erinnern sich noch an die Hüter der Diráz. Doch selbst ihre Erzählungen nahmen im Laufe der Zeit legendäre und phantastische Züge an. Daher verwundert es nicht, dass einige Völker die Dirázanti völlig vergaßen, während andere sie als eine Legende aus einem vergangenen Zeitalter betrachten.

Hol dir die Karte

Im Kartenraum findest du die Karten Jangalas.

Lediglich die Lagurún, die an der Nordküste Jangalas leben, pflegen regelmäßigen Kontakt mit den Dirázanti und sind deren Bündnispartner. Dirázanti, die nicht einer Häuptlingsfamilie entstammen, ziehen häufig ein gewöhnliches Leben vor und erlernen andere Berufe. Viele von ihnen siedelten sich bei den Lagurún an, verheirateten sich mit ihnen und gingen teilweise ganz in ihnen auf. Dieser Umstand wird von den Häuptlingen zwar nicht gern gesehen, doch stehen sie mit den Lagurún auf freundschaftlichem Fuß und heuern sie häufig für praktische Arbeiten auf der Insel an, da die Lagurún die besseren Handwerker sind. Doch die Lagurún sind ebenfalls kein besonders großes und mächtiges Volk und haben kaum Kontakt zu den Großmächten in Jangala. Daher schwand das Wissen über die Dirázanti bei den anderen Völkern (wobei man fairerweise sagen muss, dass gerade die Lagurún für einen Großteil der Legenden verantwortlich sind).

Denn die Dirázanti sind keine Zauberer und auch wenn sie von Eljah mit übernatürlich langem Leben und besonderen körperlichen Fähigkeiten gesegnet sind, ist ihre eigentliche Aufgabe weniger spektakulär, als man denken mag.

Den Großteil ihres Lebens verbringen die Dirázanti mit dem Studium der Dinosaurier. Kinder, die auf der Insel Dirázanta aufwachsen, lernen schon früh, Seite an Seite mit den Dinosauriern zu leben, im Gegensatz zu den Bewohnern des Festlandes Jangala. Denn diese kennen die Dinosaurier fast nur noch aus Erzählungen der Alten oder von Reiseberichten, da die Dinosaurier sich bereits vor Jahrzehnten weiter ins Landesinnere zurückgezogen haben. Jungen Dirázanti wird schon früh ein respektvoller Umgang mit den Dinosauriern beigebracht, der sie auf ihre spätere Aufgabe vorbereitet. In den ersten zehn bis zwölf Lebensjahren übernehmen die Eltern und Geschwister die Erziehung. Anschließend werden sie einem Lehrer zugeteilt, der in der Regel aus der Häuptlingsfamilie stammt. Hier lernen sie die Grundlagen über das Leben der Dinosaurier, sodass sie genügend Wissen besitzen, um eines Tages die Häuptlinge bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Zunächst lernen sie die unterschiedlichen Arten und Verhaltensweisen der einzelnen Dinosaurier kennen und in welcher Beziehung diese zueinander stehen. Dabei konzentrieren sie sich hauptsächlich auf die Dinosaurier, die ihrem Stamm zugeteilt sind. Während dieser Zeit vermitteln ihnen ihre Lehrer auch die sieben Gesetze Eljahs, die die verbindliche Grundlage eines jeden Dirázanti sind, selbst wenn er oder sie sich später einem anderen Beruf widmet.

Die sieben Gesetze Eljahs

Die sieben Gesetze Eljahs wurden Ankidu und seinen Söhnen von Eljah selbst mitgeteilt und lauten:

  1. Ihr seid die Hüter der Diráz und eure Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Mensch und Diráz gleichermaßen in Jangala leben können, soweit es die Ordnung dieser Welt erlaubt. Kommt es doch zum Konflikt, und beider Leben steht gleichermaßen auf dem Spiel, dann sollst du unbedingt den Menschen vor dem Diráz retten, damit der Mensch weiterlebt.
  2. Ihr seid die Hüter der Diráz und sollt deshalb die Diráz nicht als Götter verehren. Ihr dürft ihnen weder Tempel bauen noch ihnen opfern. Ihre Größe, Stärke und Schönheit darf euch nicht dazu verleiten, vor ihnen niederzufallen, um sie anzubeten, denn sie sind sterbliche Wesen und keine Götter. Ich habe euch Macht über sie gegeben, dass sie eurem Wort folgen – wie solltet ihr dann von ihnen beherrscht werden?
  3. Ihr seid die Hüter der Diráz und sollt deshalb keine Diráz zum reinen Vergnügen oder zur Ergötzung der Menschen gefangenhalten. Sie sollen sich frei entfalten und ihre Wege ziehen dürfen.
  4. Ihr seid die Hüter der Diráz und sollt sie deshalb nicht um ihrer Haut, ihres Fleisches oder ihres Horns willen jagen und töten. Nur verendete oder gerissene Tiere dürft ihr für euch beanspruchen und euch mit ihren Gaben schmücken, doch ihr sollt sie nicht grundlos jagen und töten, um euch an ihren Knochen und Hörnern zu bereichern.
  5. Ihr seid die Hüter der Diráz und sollt deshalb ihr Fleisch nicht essen, wie es die übrigen Völker Jangalas tun mögen. Andere Tiere dürft ihr um ihres Fleisches willen halten, jagen und töten, doch alle Diráz sollen heilige Tiere für euch sein. Ich, der ich euch die Macht über sie gebe, habe sie euch als Nahrung verweigert.
  6. Ihr seid die Hüter der Diráz und sollt deshalb keine Eier oder frisch geschlüpfte Diráz aus ihren Nestern holen, um sie den Elterntieren zu entreißen. Erst nachdem die Diráz das Nest verlassen haben, seid ihr für sie verantwortlich. Denn ich gab den Muttertieren ihre Instinkte nicht ohne Grund.
  7. Ihr seid die Hüter der Diráz und sollt deshalb den Diráz mit Respekt begegnen. Auch wenn ihr sie selbst nicht zu fürchten braucht, so dürft ihr eure Gabe nicht dazu missbrauchen, um euren Spott mit ihnen zu treiben. Erfüllt eure Aufgabe in der Ehrfurcht vor mir, der ich euch die Macht über die Diráz gegeben habe.

Den Wortlaut des Gesetzes lernen die Dirázanti bereits in Kinderjahren, denn es ist die Verantwortung der Eltern, sie ihren Kindern einzuschärfen. Was die sieben Gesetze in einer bestimmten Situation konkret bedeuten, wird von dem Häuptlingsrat diskutiert und festgelegt. Dasselbe gilt für das Strafmaß, das bei Übertretung des Gesetzes zur Anwendung kommt. Der Lehrer bringt seinen Schülern die Auslegung der Alten durch verschiedene Fallbeispiele oder Fragen bei.

Beispielsweise fragt der Lehrer: »Gilt das 5. Gesetz Eljahs, dass uns verbietet, die Diráz zu essen, auch dann, wenn sich ein Dirázanti in einer Notsituation befindet und ihm der Hungertod droht?« Anschließend lässt er die Schüler darüber diskutieren, bevor er ihnen die Antwort des Rates gibt (wobei diese nicht immer eindeutig ist, da es durchaus mehrere Lehrmeinungen gibt).

Die Jugendjahre der Dirázanti

Im Unterricht lernen die jungen Dirázanti sowohl ihre eigene Geschichte als auch die der anderen Völker Jangalas kennen, in dessen Dienst sie eines Tages treten. Es kommt nicht selten vor, dass ein Lehrer, wenn er von den fremden Völkern erzählt, aufmerksamere Schüler hat als zu anderen Zeiten. Denn so wie die Völker auf Jangala oftmals ein legendäres Bild von den Dirázanti haben, so kursieren bei den Schülern allerlei fantastische Vorstellungen über die anderen Völker Jangalas (da die meisten von ihnen bis zu diesem Zeitpunkt die Insel nie verlassen haben). Daher lauschen sie gespannt, wenn ihr Lehrer von den Sitten und Bräuchen der Unuk-Akúl, Kongutan und anderen Völkern berichtet. Und je weitgereister ein Lehrer ist, desto höheres Ansehen genießt er unter seinen Schülern.

Junge Dirázanti auszubilden ist jedoch häufig eine undankbare Aufgabe für den Lehrer, weil die Schüler oftmals nicht bei der Sache sind. Vormittags müssen die Schüler ihren Eltern bei den häuslichen Arbeiten zur Hand gehen, nachmittags findet der Unterricht statt. Daher sind die Schüler oftmals müde und unkonzentriert. Mit zunehmendem Alter kommt noch eine andere Komponente hinzu, die den Lehrern ihre Arbeit zusätzlich erschwert: das Interesse am anderen Geschlecht. Jungen und Mädchen werden gleichermaßen in den Grundlagen unterwiesen, doch je näher die Schüler der Erwachsenenreife kommen, desto mehr interessieren sie sich füreinander und weniger für die Dinosaurier oder die Völker Jangalas.

Die meisten Dirázanti heiraten in der Regel innerhalb ihres Stammes. Das durchschnittliche Heiratsalter der Mädchen liegt bei etwa sechzehn Jahren, bei den Jungen etwas darüber. In den meisten Fällen arrangieren die Eltern die Eheschließung, wobei sowohl die zukünftige Braut als auch der potenzielle Ehemann sich der Eheschließung verweigern kann, sofern ein triftiger Grund vorliegt.

Ist die junge Frau beispielsweise skeptisch, ob ihr ausgesuchter Ehemann sie auch gut versorgen wird, kann der junge Mann sich durch eine Tat beweisen, etwa indem er ihr eine Hütte baut, eine besondere Arbeit herstellt oder sich durch besonderen Erfolg bei der Jagd auszeichnet. Haben die beiden Parteien auch nach der Werbung noch kritische Bedenken, dürfen sie diese den Eltern mitteilen. Diese wiederum entscheiden dann über die Gewichtigkeit des Arguments und die Ehe wird entweder geschlossen oder die Verbindung aufgelöst.

Etwa in diesem Alter macht sich auch die besondere Fähigkeit der Dirázanti bemerkbar. Daher wird diese Gabe bewusst ausgebildet und trainiert, ein Aspekt, der den meisten jungen Dirázanti viel Freude bereitet und mühelos von der Hand geht, da ihre Lehrer die Gabe meist in Formen von Spielen und Wettkämpfen einüben. Insbesondere die männlichen Dirázanti geben sich hier besonders Mühe, und nutzen jede Gelegenheit sich zu messen, um den Mädchen zu imponieren. Hier kommt es auch zum häufigen Austausch der vier Stämme, insbesondere zwischen den Dirázar und den Dirázan, jenen Dirázanti, die für die Fleisch- und pflanzenfressenden Dinosaurier zuständig sind. Dabei wird von den jungen Leuten eine Jagdsituation simuliert: Zunächst verstecken sich die Teilnehmer der Dirázan in einem fest abgesteckten Gelände. Anschließend müssen die Mitglieder der Dirázar sie aufspüren und fangen. Erstere haben ein gut ausgeprägtes Gehör und können ihre Gegner daher oftmals schon von weitem hören. Sind sie jedoch erst einmal erkannt, müssen sie die Beine in die Hand nehmen, da die Dirázar ihnen in dieser Hinsicht haushoch überlegen sind.

Im Großen und Ganzen ist es eine prägende, aber auch schöne Zeit für die jungen Dirázanti, die von den Klugen intensiv genutzt wird, da danach für sie der wirkliche Ernst des Lebens losgeht. Denn je nachdem, wie die Auftragslage der Dirázanti zum Abschluss ihrer Ausbildungszeit aussieht, müssen sie ihr frisch erlerntes Wissen und ihre Fähigkeiten in den Dienst des Volkes stellen. Praktisch sieht das so aus, dass sie sich einem Häuptling anschließen, um ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen, wenn dieser von einem König in Jangala angeheuert wurde, um neue Gebiete im Diráz-Territorium zu erschließen.

Für viele Dirázanti ist es oftmals das erste Mal, dass sie die Insel verlassen, um in der großen Welt zu dienen. Und da jeder Dirázanti verpflichtet ist, mindestens sieben Jahre im aktiven Dienst zu verbringen, bevor er seine eigenen Wege geht, heiraten viele jung, damit sie mitsamt ihrer Familie reisen können. Schon so manch junges Liebesglück wurde dadurch zerstört, dass die Einberufung zu plötzlich kam und man voneinander scheiden musste. Nicht selten hatte einer der Partner im Laufe der nächsten sieben Jahre einen anderen Ehepartner gefunden.

Hat ein Dirázanti seine Pflicht erfüllt, steht es ihm frei, sich weiter im Dienst eines Häuptlings zu engagieren oder einen anderen Beruf zu lernen. Viele kehren in die Heimat zurück, wobei nicht wenige bei den Lagurún in die Lehre gehen und sich bei ihnen niederlassen.

Der Weg der Häuptlinge

Der Werdegang der Häuptlinge sieht jedoch anders aus. Sie bleiben nicht in ihrem eigenen Stamm, sondern besuchen nacheinander die übrigen drei Stämme, wo sie von den jeweiligen Häuptlingen über die anderen Arten der Diráz unterrichtet werden. Denn von einem Häuptling wird erwartet, dass er das Zusammenspiel der verschiedenen Diráz versteht. Häufig lernt ein Häuptlingssohn in dieser Zeit auch seine zukünftige Ehefrau kennen, denn die Häuptlinge geben ihre Töchter vorzugsweise einem Häuptlingssohn, sodass mittlerweile viele Familien Verwandte in anderen Stämmen haben. Auch wird ihre jeweilige Gabe viel stärker trainiert, da sie später die Führung übernehmen und ihren Brüdern einiges voraushaben müssen. Häuptlinge müssen körperlich und mental fit sein, denn sie repräsentieren das Volk nach außen hin. Und da man von der Gunst der fremden Könige abhängig ist, lernen die Häuptlingssöhne nicht nur die Geschichte der fremden Völker kennen, sondern auch die Etikette, wie man sich vor den jeweiligen Machthabern zu benehmen hat. Im Gegensatz zu den anderen Dirázanti wird von den Häuptlingen erwartet, dass sie ihr Leben lang ihre Aufgabe versehen. Wenn sie nicht gerade für einen König unterwegs sind, erkunden sie die unerforschten Gebiete Jangalas oder leben auf der Insel, studieren das Leben der Diráz und bilden die nächste Generation von Dirázanti aus.

Doch zum großen Bedauern der alten Generation haben einige Häuptlinge mit dieser Tradition gebrochen. Als die Blütezeit der Dirázanti zu Ende war, da die Völker Jangalas ausreichend Lebensraum besaßen und über Jahrzehnte kein Großkönig die Dirázanti rufen ließ, beneideten einige der Häuptlinge die Freiheit ihrer Brüder und verließen die Insel, um in den Weiten Jangalas ihr Glück mit anderen Beschäftigungen zu finden.

Damals gingen Häuptlinge samt ihren Familien aus allen vier Stämmen fort, obwohl ihre Brüder sie anflehten zu bleiben. Besonders hart traf es den Stamm der Dirázar. Denn Taran, das langjährige Oberhaupt des Stammes, war mit achtundachtzig Jahren verhältnismäßig früh verstorben. Zwar hinterließ er zwei Nachfolger, da seine beiden Söhne Tiran und Tarek Zwillinge waren, doch die beiden waren bei seinem Tod erst fünfzehn Jahre alt. Vermutlich war der frühe Verlust ihres Vaters der Grund dafür, dass Tarek nie wirklich das Erbe seines Vaters antrat – im Gegensatz zu seinem Bruder Tiran. Als daher die goldenen Jahre der Dirázanti vorbei waren, schloss Tarek sich den anderen an und verließ die Insel.

Nun war Tiran das einzige Oberhaupt der Dirázar. Zwar war er mit Sinala, der Tochter von Ligdor, dem Oberhaupt der Dirálathan verheiratet, doch konnten sie für lange Zeit keine Kinder bekommen. Als Sinala dann überraschend ein Kind erwartete, gebar sie ein Mädchen, dem sie den Namen Rym gab. Doch so groß die Freude über dieses Kind auch war, so wusste Tiran, dass er einen männlichen Nachkommen brauchte, um die Häuptlingslinie am Leben zu erhalten.

Als das langersehnte Kind von Tiran und Sinala sich nicht als männlicher Erbe herausstellte, sahen einige Häuptlinge dies als ein schlechtes Omen und prophezeiten hinter vorgehaltener Hand das Ende der Dirázanti.

Doch etwa drei Jahre nach Ryms Geburt, als alle die Hoffnung bereits aufgegeben hatten, erhielt Tiran endlich das langersehnte Zeichen von Eljah, dass er die Dirázanti noch nicht aufgegeben hatte – in Form eines weißen Tyrannosaurus Rex, der eines Tages auf der Insel das Licht der Welt erblickte.


Neugierig geworden? Dann abonniere den Newsletter und lese die exklusive Geschichte, wie Tiran den weißen Tyrannosaurus fand.

Exklusiv für Newsletter Abonnenten

Eine Dirázanti-Kurzgeschichte

Ein vollkommen weißer Tyrannosaurus Rex! Als erfahrener Häuptling der Dirázanti glaubte Tiran, schon alles gesehen zu haben. Aber die Freude über diesen frisch geschlüpften Saurier währt nicht lange, denn die Freßfeinde liegen bereits auf der Lauer.

Trage dich für meinen Newsletter ein und ich schicke dir neben regelmäßigen, exklusiven Informationen die Kurzgeschichte Nesträuber als Dankeschön zu. Du kannst den Newsletter jederzeit abbestellen. Siehe auch die Datenschutzerklärung.

.
Nesträuber Landing page