Literarische Fundstücke

Der Künstler – Ein Gott, oder von Gott abhängig?

Gestern las ich folgende Aussage in dem historischen Roman Sinuhe, der Ägpter. Sie stammt aus dem Mund des Künstlers Thotmes, der sich mit Sinuhe unterhält und über seine Kunst und seine Beziehung zu Gott spricht:

Mische dich nicht in Dinge, die du nicht verstehst, Sinuhe! Vielleicht hasse ich ihn [gemeint ist der Gott Aton] – aber noch weit mehr hasse ich mich selbst. In meinem Innern brennt der Schaffensdrang, und meine Hände sind noch nie geschickter als jetzt gewesen. Vielleicht schafft der mit sich unzufriedene Künstler im Hasse bessere Werke als der selbstzufriedene und mit Liebe erfüllte. Alle Farben und Formen und ebenso die Vielfältigkeit gestalte ich aus mir selbst heraus, und jedes von mir geschaffene Bildnis verewigt mich selbst im Stein. Deshalb ist kein Mensch meinesgleichen, und ich bin mehr als alle anderen. Für mich gibt es keine Gesetze, die ich nicht brechen könnte; denn meine Kunst ist über alle Gesetze erhaben, und ich bin mehr Gott als Mensch. Wenn ich Farben und Formen gestalte, wetteifere ich mit Aton und übertreffe ihn sogar; denn alles, was Aton schafft, ist vergänglich, während meine Schöpfungen für die Ewigkeit bewahrt bleiben.

Thotmes in „Sinuhe, der Ägypter“

Man vergleiche diese Haltung mit der von John Coltrane, einem Jazz-Saxophonisten, dessen Album A Love Supreme zu den Meisterwerken des Jazz zählt. Folgender Text findet sich auf der Rückseite der Vinyl-Ausgabe seines Albums:

Lieber Zuhörer, alle Ehre sei Gott, dem alle Ehre gebührt.Lasst uns Ihm auf dem rechten Pfad folgen. Ja, es ist wahr: „Suchet und ihr werdet finden.“ Nur durch Ihn können wir das wunderbarste Vermächtnis erkennen. Im Jahr 1957 erlebte ich, durch die Gnade Gottes, ein geistliches Erwachen, das mich zu einem reicheren, erfüllteren und produktiveren Leben führte. Zu dieser Zeit bat ich aus Dankbarkeit demütig darum, die Mittel und das Privileg zu bekommen, um andere durch Musik glücklich zu machen. Ich spüre, dass es mir durch Seine Gnade geschenkt wurde. Alle Ehre sei Gott. Während die Zeit voranschritt, herrschte eine Phase der Unentschlossenheit. Ich trat in eine Phase ein, die dem Versprechen widersprach und vom geschätzten Weg abwich. Aber ich bin dankbar, dass ich immer wieder durch die unfehlbare und barmherzige Hand Gottes mir seiner Allmacht bewusst werde, und wie sehr ich Ihn brauche und von Ihm abhängig bin. In diesem Moment möchte ich dir sagen, dass egal was passiert … es mit Gott geschieht. Er ist gnädig und barmherzig. Seine Weg ist ein Weg der Liebe, durch den wir alle sind. Es ist wahrlich – A Love Supreme -.

Dieses Album ist eine demütige Gabe an Ihn. Ein Versuch, durch unsere Arbeit, selbst wenn wir sie nur in unseren Herzen und mit unserer Zunge tun, „Danke, Gott“ zu sagen. Möge Er jeden Menschen zu jedem guten Werk helfen und stärken.

John Coltrane, A Love Supreme

Der Künstler: Selbst ein Gott, oder von Gott abhängig? Ich halte es mit Coltrane und stimme ihm von ganzem Herzen zu. Soli Deo Gloria.

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